Der Wandel braucht Mut und Millionen
lokal ist ein gemeinsames Ziel. Die Transformation zur Klimaneutralität ist mehr als eine politische Forderung; sie ist ein gigantisches Investitionsvorhaben. Und das braucht einen verlässlichen Finanzpartner.
Die Transformation zur klimaneutralen Mobilität ist wie das Besteigen eines sehr hohen Berges: Die VAG definiert das Ziel des Anstieges, aber der Weg dahin erfordert enorme finanzielle Ressourcen und technisches Know-how. Die Sparkasse ist Wegweiser und Logistikpartner, der sicherstellt, dass die gesamte Ausrüstung stimmt, um den Gipfel sicher und wirtschaftlich zu erreichen.
Wir trafen Mareike Rehl, Fachbereichsleitung Nachhaltigkeit und Energie bei der VAG, und Uwe Schlupf, Leiter Vertrieb – Bauträger Immobilien Kommunen der Sparkasse, auf dem VAG-Betriebshof – dem Schauplatz zahlreicher Transformationsprojekte.
Mareike Rehl » | Die VAG hat das klare Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden. Wir sind zutiefst von unserem Produkt überzeugt: Wir gestalten die Verkehrswende, sorgen für Elektromobilität und reduzieren CO2-Emissionen. Aber um unsere Projekte umzusetzen – sei es der Umbau der Busflotte auf E-Mobilität oder die Integration erneuerbarer Energien – haben wir einen hohen Finanzierungsbedarf. Und diesen Bedarf durch eine nachhaltige Finanzierung zu sichern, ist ein zentraler Hebel, um unsere Transformation voranzutreiben.
Uwe Schlupf » | Wir als Sparkasse haben uns entschieden, die Transformation in der Region aktiv zu begleiten. Unsere Rolle geht weit über die bloße Bereitstellung von Krediten hinaus. Es geht darum, durch Kooperationen und Netzwerke zu unterstützen – etwa in der Energieberatung oder bei Mobilitätsthemen. Wir stellen einen großen Blumenstrauß der nachhaltigen Finanzierung bereit, von klassischen Krediten bis hin zu Fördermitteln und mit Unterstützung auch in Kapitalmarktprodukte. Die Begleitung dieser Wendethemen ist hochspannend, anspruchsvoll und entwickelt sich seit Jahren stets weiter.
Vom Bus-Depot zum Energiewende-Labor
Die enge Partnerschaft zwischen VAG und Sparkasse wird in konkreten Vorhaben sichtbar, die den Freiburger Betriebshof in ein Zentrum der Energiewende verwandeln.
Rehl » | Wir bauen in den kommenden Jahren große PV-Anlagen auf dem Betriebshof. Gleichzeitig werden wir unsere Busflotte bis 2030 auf Elektromobilität umstellen. Die gesamte Umstellung erfordert Investitionen von fast 60 Millionen Euro für Busse und Infrastruktur.
Doch die Kooperation reicht über die eigenen Dächer hinaus:
Rehl » | Ein tolles Beispiel regionaler Zusammenarbeit sind die Windkraftanlagen auf dem Taubenkopf. Die Ökostromgruppe hat sie gebaut, die Sparkasse hat die Finanzierung übernommen, und wir als VAG nehmen den Strom ab. Solche regionalen Kooperationen zeigen den Mehrwert und auch den Spaß, den wir an neuen Projekten haben.
Schlupf » | Das ist der Schlüssel: Dezentrale Energieerzeugung und der Bezug regionaler Energiequellen, das zu koordinieren, ist richtig super und bringt uns alle auf dem Weg zur nachhaltigen Wirtschaft weiter.
Die Herausforderung Fachkompetenz und der Wunsch nach dem Zertifikat
Trotz der Erfolge sieht Mareike Rehl große Hürden. Sie spricht vom „Rollback im Bereich Sustainability“, dem Rückzug des Themas durch Politik und Regulatorik, was die Finanzierung nachhaltiger Modelle erschwert.
Rehl » | Wir sehen uns mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Vor allem die fehlende Planungssicherheit durch die Unsicherheiten in Bezug auf die Regulatorik ist schwierig. Aber das größte Defizit, das wir als Unternehmen oft haben, ist die Fachkompetenz im Bereich nachhaltige Finanzierung. Wir brauchen einen starken Partner, der uns an die Hand nimmt und uns die Türen zu den wirtschaftlichen Finanzierungsmöglichkeiten öffnet.
Hier kommt ein zentrales Instrument der Sparkasse ins Spiel: der Transformationskredit, intern Trafofi-Check genannt. Dieses sparkasseneigene Produkt wurde kreiert, um Investitionen als nachhaltig zu klassifizieren.
Rehl » | Da die VAG aktuell nicht mehr CSRD-pflichtig (Corporate Sustainability Reporting Directive – EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung) ist, wäre der Trafofi-Check hochinteressant. Wir arbeiten bereits an einem ESG-Rating (Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien) und werden zukünftig nach dem VSME Nachhaltigkeitsreportingstandard (freiwilliger Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen) berichten. Wir benötigen dringend eine externe Zertifizierung für unsere Finanzprodukte, damit wir ein zertifiziertes Produkt haben, das wir vergleichen und belegen können. Das wäre ein großer Mehrwert.
Schlupf » | Das externe Rating zur Nachhaltigkeit hat neben den internen Wirkungen im Unternehmen mittelfristig auch Auswirkungen im Kreditgeschäft. Unser Ziel ist es, die bestehende Kundeninformation für einen erfolgreichen Trafofi-Check durch ein Kundenzertifikat für nachhaltige Finanzierungen zu ersetzen. Derzeit ist das noch eine rechtliche Frage im Austausch mit dem Verband, aber es macht nur Sinn, dies in Zukunft zu haben.
Blick nach vorne: Mut zum Unbekannten
Die Zukunft der VAG ist geprägt von Projekten, die Innovationsgeist und Wagemut erfordern.
Rehl » | Neben den neuen PV-Anlagen denken wir über Speichertechnologien nach, um den erzeugten Strom bedarfsgerecht an unsere E-Busse und Straßenbahnen abzugeben. Ein weiteres, spannendes Feld sind Second-Life-Batterien. Die ausrangierten E-Bus-Batterien haben meist noch eine hohe Speichermöglichkeit. Sie könnten hier auf dem Hof in Speicherlösungen integriert werden. Das sind Projekte, die Mut erfordern.
Schlupf » | Das Thema PV mit Speichern ist hochspannend und eine wichtige Erweiterung der Energiesicherung und Nutzung von regenerativen Energiequellen. Wir eignen uns hier derzeit mit Projekten in der Region eine entsprechende Expertise an, und nutzen hierzu passende Fördermittel. Ihr Thema in 2026 zeigt weitere Schritte in die nachhaltige Entwicklung der VAG.
Rehl » | Wir wünschen uns Unterstützung dabei, die gläserne Decke zu überwinden. Nachhaltigkeit darf kein reines Facht¬hema bleiben, sondern muss konsequent bei Vorstände und Geschäftsführungen verankert werden. Die Sparkasse verfügt über den notwendigen Einfluss, um diesen Schritt zu ermöglichen. Wir dürfen jetzt den Mut nicht verlieren: Verantwortungsvolles Handeln muss aus eigener Überzeugung erfolgen, nicht erst als Reaktion auf die nächste Naturkatastrophe. Es liegt an uns, heute zu zeigen, dass wir dieser Verantwortung gerecht werden.
Schlupf » | Die Intensität und Langfristigkeit unserer Zusammenarbeit ist außergewöhnlich. Das liegt an der intrinsischen Motivation der VAG. Solange wir diesen Geist beibehalten, bleiben wir Vorreiter. Wir können es in der Region gemeinsam mit vielen anderen Akteuren schaffen – bleiben wir dran!
Lange Partnerschaft für nachhaltige Transformation
Die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau und die VAG arbeiten bei der Finanzierung zahlreicher Projekte zusammen, die zentral für die Mobilitätswende und die angestrebte Klimaneutralität der VAG sind.
Mobilitätswende und Infrastruktur
• Umstellung der Busflotte auf Elektromobilität: Die VAG wird bis 2030 auf E-Mobilität umstellen. Dafür braucht es hohe Investitionen, sowohl für die Beschaffung der Elektrobusse als auch für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur.
• Investitionsvolumen E-Mobilität: Die gesamte Investitionssumme für E-Busse, Infrastrukturausbau und zwei E-Bus-Depots wird sich im Zeitraum von 2023 bis 2030 auf voraussichtlich 59 Millionen Euro belaufen.
• Straßenbahn-Projekte: Das Straßenbahnnetz soll wachsen – etwa durch Dietenbach oder der Verlängerung der Linie 1 nach Littenweiler. Um das zu ermöglichen, müssen weitere Straßenbahnen beschafft werden. Zudem werden alte Fahrzeuge Stück für Stück ersetzt.
Energiewende und Erneuerbare Energien
• Photovoltaik (PV)-Anlagen: Die VAG betreibt bereits einige PV-Anlagen auf dem Betriebshof. Weitere werden folgen.
• Grüner Strombezug (Kooperation): Die Sparkasse hat den Bau zwei großer Windkraftanlage auf dem Taubenkopf durch die Ökostromgruppe finanziert. Die VAG ist in dieser regionalen Kooperation der Abnehmer des dort erzeugten Stroms.
• Speichertechnologien: Die VAG plant, die neuen PV-Anlagen mit Speichertechnologien zu kombinieren, um den selbst erzeugten Strom bedarfsgerecht an die E-Busse abgeben zu können.
• Wärmewende: Die VAG verfolgt die nachhaltige Wärmewende, um vom Erdgas wegzukommen, und kooperiert dabei mit der Badenova.
Was leistet die Sparkasse?
Die Sparkasse unterstützt nicht nur durch normale Kredite, sondern auch durch die Einbindung von Fördermitteln von Land und Bund. Nachhaltige Investitionen können durch den Transformationsfinanzierungskredit (Trafofi-Check) der Sparkasse finanziert werden.
Die Sparkasse Freiburg – Nördlicher Breisgau verfolgt zudem das Ziel eines treibhausgasneutraler Geschäftsbetriebs bis zum Jahr 2035. Die 2024 verabschiedete Dekarbonisierungsstrategie für die Bestandsgebäude ist darauf ausgerichtet den Energiebedarf zu minimieren und den verbleibenden Energiebedarf weitestgehend über erneuerbare Energien zu decken. Das aktuelle Vorzeigeprojekt für diese Entwicklung ist die Komplettsanierung am FinanzZentrum Emmendingen. Darüber hinaus wurde die Fahrzeugflotte vollständig elektrifiziert, es wird ausschließlich Ökostrom bezogen und die Kapazitäten zur eigenen Stromproduktion über PV-Anlagen werden kontinuierlich ausgebaut.






