Vom Familienhof zum Zukunftsbetrieb
lokal ist weiterdenken. Milchbar für die Kälber, App fürs Herdenmanagement, Pläne für Hofladen und Melktechnik: Auf dem Sändlehof in Rheinhausen baut Ralf Stephan den Familienbetrieb konsequent um – modern, wachstumsorientiert und mit viel Blick fürs Tierwohl. An seiner Seite: die Sparkasse als Partner, der mitrechnet, Risiken abwägt und die nächsten Schritte möglich macht.

Florian Ruf, Leiter Gewerbekundenbetreuung Nördlicher Breisgau mit Ralf Stephan und seinem Sohn Theo.
Der einjährige Theo sitzt entspannt im Kinderwagen und guckt seinem Papa zu. Der steht in einer Gruppe drängelnder junger Kälber und schließt den Schlauch an die Milchbar an. Sobald die Vollmilch läuft, sucht sich jedes Kalb einen der Sauger an der Bar und nuckelt gierig drauflos. „Das sind unsere jüngsten“, sagt Ralf Stephan, „sie kommen im Alter von vier bis sechs Wochen mit einem Gewicht von etwa 85 Kilogramm zu uns, wir mästen sie etwa vier, fünf Monate lang auf bis zu 250 Kilogramm, dann gehen sie an die Bullenzucht.“ Die größte Herausforderung dabei besteht in der Umstellung von Milch und Festfutter. Und darin, die Kälber gesund zu halten: „Die kommen ja von verschiedenen Sammelstellen und treffen hier zum ersten Mal aufeinander, das ist in etwa so, wie wenn ein Kind in den Kindergarten kommt – es nimmt alle Krankheiten mit.“ Gerade in den ersten drei Wochen achten Stephan und sein Team daher besonders sorgfältig darauf, ob ein Kalb Anzeichen zeigt, dass es krank ist und behandelt werden muss. „Wenn wir die Tiere gut über diese Phase kriegen, ist das Schlimmste überstanden.“

Ralf Stephan versorgt die jüngsten Kälber am Sändlehof: Sobald die Milch an der Milchbar läuft, geht es ums schnelle Ankommen und Gesundbleiben in den ersten Wochen.
Insgesamt 450 sogenannte Fressaufzuchtplätze hat der Sändlehof in Rheinhausen. Hinzu kommen 160 Masttiere und 40 Milchkühe, das sollen noch mehr werden. Als Ralf Stephan 2023 den Hof seines Vaters gemeinsam mit seiner Frau übernommen hat, war für ihn von Anfang an klar: „Wenn wir das machen, dann richtig.“ Seither hat er den Sändlehof einmal komplett umgekrempelt: Ställe wurden modernisiert oder komplett neu gebaut, der Viehbestand massiv aufgestockt. Und Ralf Stephan ist noch lange nicht fertig, er hat viele Pläne. Er ist auf dem Hof aufgewachsen, liebt „die Arbeit mit Viechern“, wie er sagt, ganz besonders mit Kühen. Auf 170 Hektar landwirtschaftlicher Fläche betreibt der dreifache Vater nun moderne Landwirtschaft. Und er ist überzeugt davon, dass er dies rentabel tun kann.
„Dieses unternehmerische Denken zeichnet Herrn Stephan aus.“
Florian Ruf
„Dieses unternehmerische Denken zeichnet Herrn Stephan aus“, sagt Florian Ruf, Leiter Gewerbekundenbetreuung Nördlicher Breisgau und von Anfang an Ralf Stephans Berater. Ohne die Sparkasse, sagt Stephan, würde es den Betrieb wahrscheinlich nicht geben. Schon sein Vater war Kunde, Stephan setzt die Tradition fort. In Florian Ruf hat er einen Finanzexperten gefunden, der ihn unterstützt und mit dem er auf Augenhöhe über Risiken diskutieren kann. Und der genauso wie er das Wohl des Hofes im Blick hat. „Dass wir bei der Planung des Darlehens für den Milchvieh-Aufbau eher konservativ geplant haben, hat sich bei den zuletzt sinkenden Preisen für Milch ausgezahlt“, sagt Ruf.

Nach der Milch das Kraftfutter: Die Futterumstellung ist wichtig, damit die Kälber stabil wachsen und fit bleiben.
Ein großer Wunsch von Ralf Stephan ist ein Melkroboter, eine vollautomatische Melkanlage. Er hat sich mit Florian Ruf hingesetzt und alles durchgerechnet, mit dem Ergebnis: Das ist jetzt noch nicht drin. Also wurde es zunächst ein gebrauchter halbautomatischer Melkstand. „Der Melkroboter kommt erst im nächsten Schritt“, sagt Stephan. Ebenfalls in Planung ist mit Hilfe der Sparkasse ein neuer Hofladen. Die bisherige Holzhütte, in der es vor allem Eier und Kartoffeln gibt, soll einem modernen Bau mit Scannerkasse weichen, der rund um die Uhr geöffnet ist und zusätzlich auch Fleischprodukte der Metzgerei Reichenbach und auch Rohmilch führen soll. „Wenn alles klappt, sind wir Ende April damit fertig“, sagt Stephan. Doch wirklich fertig wird der Landwirt vermutlich nie, dafür hat er zu viele neue Ideen. Seinen Bestand erfasst er längst mit einer speziellen App, und nun hat er von einem Bekannten von einer Technik gehört, die ihn fasziniert: Die Kühe schlucken einen mit modernsten Messgeräten ausgestatteten Bolus, der im Magen bleibt und von dort aus den Landwirt informiert, sobald das Tier Fieber entwickelt oder Entzündungswerte steigen. „So könnten Krankheiten noch früher entdeckt und behandelt werden“, sagt Stephan. Florian Ruf schmunzelt: „Irgendwann kennen die Tiere seinen Kontostand besser als wir.“
Fotos: Thomas Kunz






