Vom Schwarzwald in die Welt

veröffentlicht am 28. März 2026

lokal  ist tief verwurzelt und weltweit gefragt. Wie Lignotrend aus dem Südschwarzwald wächst: Mit Holzbau-Innovation und starken Finanzpartnern von der Sparkasse.
Werner Eckert wollte vor 35 Jahren eine Steinwand durch eine bessere aus Holz ersetzen. Daraus entstand Lignotrend – ein Unternehmen, das heute von Paris bis Neu-Delhi Gebäude mit Weißtanne aus dem Schwarzwald ausstattet.

 

Luftaufnahme des neuen Lignotrend-Sägewerks in Ibach, umgeben von dichtem Wald.

Im neuen Lignotrend-Sägewerk in Ibach wird Weißtanne zu innovativen Holzelementen für Auftraggeber in aller Welt verarbeitet.

 

Frank Wittner steht zwischen meterdicken Weißtannen-Stämmen und schaut zu, wie die Sägegatter anspringen. „Man muss die Betriebe kennen, die man finanziert“, sagt der Firmenkundenbetreuer der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Seit 2020 begleitet er Lignotrend durch die größte Investition der Firmengeschichte. 40 Millionen Euro für ein eigenes Sägewerk in Ibach und ein neues Hobelwerk – mitten im Südschwarzwald, mitten in der Corona-Nachwehe, kurz vor dem Ukraine-Krieg.

 

Mehrere entrindete Weißtannenstämme liegen gestapelt auf einem Lagerplatz vor einer Industriehalle.

 

Wer durch das beschauliche Weilheim bei St. Blasien fährt, ahnt zunächst nicht, was hier zusammenläuft. In den Werkhallen von Lignotrend riecht es nach frischem Holz. An den Präzisionsmaschinen entstehen Deckenelemente und Akustikpaneele aus Weißtanne – dem Charakterbaum des Schwarzwalds. Ralph und Matthias Eckert leiten das Unternehmen, das ihr Vater Werner 1992 mit knappem Budget, aber klarer Vorstellung gegründet hat.

Werner Eckert erzählt gerne von seinen Anfängen. „Ich wollte einfach eine Steinwand durch eine bessere aus Holz ersetzen“, sagt der gelernte Zimmermann. Was sich einfach anhört, wurde zum Geschäftsmodell: kreuzweise verleimte Bretter, die formstabil sind und trotzdem die Ästhetik des Blockhauses bewahren. Heute liefert Lignotrend an Kunden in ganz Deutschland ebenso wie an illustre internationale Auftraggeber von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften bis zum Google-Hauptquartier in Neu-Delhi.

 

Vier Männer sitzen an einem Tisch und betrachten ein Muster eines Holz Deckenelements im Gespräch.

Regionale Wertschöpfung auch bei der Finanzierung: Unternehmenskundenbetreuer Frank Wittner (re.) im Gespräch mit Ralph, Werner und Matthias Eckert (v.l.)

 

Vom Gebäude aus gedacht

Das Besondere an Lignotrends Ansatz ist die Richtung, in der gedacht wird. „Wir denken vom Gebäude in Richtung Wald, nicht umgekehrt“, sagt Werner Eckert. Nicht der Rohstoff bestimmt das Produkt, sondern die Anforderung: Was muss das Bauteil können – statisch, akustisch, im Brandschutz? Diese Perspektive führte zur Weißtanne, einer Nadelholzart ohne Harz, mit angenehmer Oberfläche, ideal für sichtbare Innenräume.

 

Zwei Männer stehen in einer Produktionshalle neben großen Holzelementen und sprechen miteinander.

 

Lignotrends Brettsperrholz-Elemente haben dabei eine Besonderheit: Statt massiver Querschnitte nutzt das Unternehmen aufgelöste Rippenstrukturen. Das spart bis zu 50 Prozent Rohstoff ein, ohne an Tragfähigkeit einzubüßen. Ein wirtschaftliches und ökologisches Argument zugleich. „Neben konstruktiven CLT-Elementen haben wir auch Akustikpaneele für den Innenausbau“, sagt Matthias Eckert, zuständig für Vertrieb und internationale Märkte.

 

Starkholz, das andere ablehnen

Das Sägewerk Ibach ist das Herzstück der neuen Wertschöpfungskette. Hier verarbeitet Lignotrend ausschließlich Starkholz – besonders dicke Tannen, die standardisierte Sägewerke oft nicht annehmen. Ralph Eckert erklärt warum: „Ein Baum wächst von unten nach oben, die unteren Äste brechen ab und werden überwallt. Diese astfreie Zuwachszone gibt es erst ab 40 Zentimeter Durchmesser.“ Das Ergebnis sind hochwertige, makellose Oberflächen – und ein guter Grund für die Forstwirtschaft, ihre großen Bäume sinnvoll zu verwerten.

Zusätzlich produziert der Standort eigene Energie und Pellets. Energieautarkie als Nebenprodukt einer konsequent zu Ende gedachten Produktionskette.

 

Zwei Männer stehen im neuen Lignotrend Sägewerk in Ibach vor den Anlagen der Produktion.

 

40 Millionen, drei Sparkassen

Eine Investition dieser Größenordnung war für die lokale Sparkasse St. Blasien allein nicht zu stemmen. Hier zeigte sich, was das Sparkassen-Netzwerk leisten kann: Ein Konsortium wurde gebildet, die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau stieg als federführender Partner ein, unterstützt von den Sparkassen St. Blasien und Bonndorf.

„Bei größeren Investitionen im ländlichen Raum braucht es oft mehrere Partner“, sagt Frank Wittner. Das Projekt wuchs dabei noch während der Planung: von ursprünglich 30 auf knapp 40 Millionen Euro, weil auch Energieerzeugung und Pelletierung integriert wurden. Dann kamen Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme, steigende Zinsen. „Ein Jahr früher hätte uns das 4 bis 5 Millionen gespart“, sagt Werner Eckert. „Aber wir sind froh, dass die Sparkasse immer an unser Geschäftsmodell geglaubt hat. Ein Kreditgeschäft ist am Ende Vertrauenssache.“

Dass Lignotrend auch als Baustofflieferant für das neue Sparkassen-Finanzzentrum in Emmendingen fungiert, schließt den regionalen Kreislauf.

 

Ein orangefarbener Roboterarm bewegt in einer Produktionshalle Holzplatten mit einer Greifvorrichtung.

 

Blick nach vorn

Die Expansion läuft weiter. Lignotrend arbeitet an Märkten in den USA und Indien, erschließt mit CNC-Robotik neue Verarbeitungsmöglichkeiten und testet Lösungen für härtere Laubhölzer wie Buche. Der Schwarzwald bleibt dabei Ausgangspunkt – nicht Kulisse.

„Wir tragen den Schwarzwald in die Städte der Welt“, sagt Matthias Eckert. Die Formel klingt einfach. Das Geschäftsmodell dahinter ist es nicht.

 

Luftaufnahme: Lignotrend

 

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