Verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch

veröffentlicht am 11. Oktober 2021

Es ist verständlich, dass der Arbeitgeber nur die besten Bewerber einstellen möchte. Das bedeutet aber nicht, dass er potenzielle Mitarbeiter fragen darf, was er will. Denn es gibt Themen, die gehen ihn einfach nichts an. Welche das sind, und wie du auf sie reagierst, liest du hier.

 

Fragen nach der beruflichen Ausbildung und nach den Stärken und Schwächen eines Kandidaten gehören zu jedem Vorstellungsgespräch dazu. Was den zukünftigen Chef aber nichts angeht, ist beispielsweise, was die Eltern oder der Partner beruflich machen. Schließlich stellst du dich als Arbeitskraft vor, und nicht deine Angehörigen. Doch selbst, wenn es um dich geht, ist nicht alles erlaubt. So dürfen Frauen nicht gefragt werden, ob sie sich Kinder wünschen oder schwanger sind. Schließlich könnte die dadurch entstehende Auszeit die Frauen im Rennen um eine gute Stelle benachteiligen.

 

Was den Arbeitgeber nichts angeht

Es gibt aber noch deutlich mehr Themen, die für den Arbeitgeber tabu sind. Dazu gehören:

Krankheiten – zumindest dann, wenn diese für die angestrebte Stelle nicht relevant sind. Wer im medizinischen Bereich arbeiten will, muss aber davon ausgehen, gefragt zu werden, ob er gegen das Coronavirus geimpft ist. Das regelt das Infektionsschutzgesetz.

Religionszugehörigkeit: Nur, wer sich bei einem konfessionellen Arbeitgeber bewirbt, darf nach seinem Glauben gefragt werden.

Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit: Auch diese Frage ist nur dann zulässig, wenn man bei einer entsprechenden Institution arbeiten möchte.

Nach Vorstrafen darf gefragt werden, wenn diese in Zusammenhang mit dem Beruf stehen könnten. Bewirbst du dich also als Buchhalter oder Kassierer, könnte eine Frage zu Vorstrafen in Zusammenhang mit Vermögensdelikten gestellt werden.

 

Wie reagiert man richtig?

Man muss sich nichts vormachen: Diese und ähnliche Fragen werden in Vorstellungsgesprächen immer wieder zu Unrecht gestellt. Letztlich muss man sich im Vorfeld überlegen, wie man auf sie reagiert. Wer eine verbotene Frage nicht nur einfach beantworten will, sondern darauf hinweisen möchte, dass etwas falsch läuft, sollte sich ein Repertoire an schlagfertigen Antworten zurechtlegen. Wer als Antwort giftet „Das geht Sie gar nichts an!“ hat möglicherweise schon verspielt. Wer die Frage dagegen brav beantwortet, könnte als jemand gesehen werden, der sich leicht unterordnet oder der seine Rechte nicht kennt.

Darum kann es je nach Situation sinnvoll sein, durchblicken zu lassen, dass man weiß, dass diese Frage nicht in Ordnung ist. Doch man beantwortet sie trotzdem. Die Wahrheit muss man dabei nicht zwingend sagen: Will der Arbeitgeber etwas wissen, das ihn nichts angeht, hat der Bewerber ein Recht zur Lüge.

Allerdings kommt es auch immer auf die Frage und auf die Art an, wie sie gestellt wurde. Wird eine verbotene Frage so gestellt, dass man sich beleidigt oder erniedrigt fühlt, muss man sich überlegen, ob man wirklich bei diesem Unternehmen arbeiten möchte. Ist die Antwort ein klares Nein, sollte man das Gespräch abbrechen. Eine Lösung, die auf alle Situationen passt, gibt es also nicht.

 

Teaserbild

Wer beruflich einsteigen oder sich verändern möchte, liest sie fast täglich: Stelleninserate in der Tageszeitung oder auf Internet-Jobbörsen. Wenn du einzelne Elemente der Anzeigen genau analysierst, kannst du deine Erfolgschancen steigern.   Die meisten Stellenanzeigen folgen einem Standardmuster. Jeder der in der Regel fünf Bestandteile verrät…

Mehr lesen

Teaserbild

Erfassen Sie Ihre Arbeitszeit? Oder arbeiten Sie in der sogenannten Vertrauensarbeitszeit? Muss nicht jeder die Arbeitszeit erfassen? Oder gibt es hier geregelte Ausnahmen?   Seit September 2022 gibt es ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG), das klar regelt, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeitenden zu erfassen. Davon…

Mehr lesen

Teaserbild

Die gelben Papiere, mit denen Arbeitnehmer nachweisen, dass sie krank sind, gibt es ab 2023 nicht mehr. Dann ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, für Arbeitgeber Pflicht.   Zwar gibt es schon seit einem guten Jahr für Arbeitgeber die Möglichkeit, die eAU-Daten bei den Krankenkassen abzurufen, jetzt aber…

Mehr lesen

Teaserbild

Vorstellungsgespräche kosten Geld. Deine Aufwendungen muss der Arbeitgeber übernehmen, es sei denn, er hat dies ausdrücklich ausgeschlossen. Ein Überblick.   Du bist zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Glückwunsch! Offensichtlich konntest du deinen potenziellen Arbeitgeber von deinen Qualitäten überzeugen. Damit hast du nicht nur eine wichtige Hürde im Bewerbungsprozess genommen, sondern…

Mehr lesen

Teaserbild

Die Vorgesetzten-Variante von Mobbing heißt Bossing – und ist weit verbreitet. Was Sie tun können, wenn Ihr Chef unfaire Attacken startet.   Gelegentliche Unzufriedenheit mit dem Chef ist ganz normal – anders sieht es aus, wenn dieser sich gezielt auf einen oder mehrere Untergebene einschießt. Wird…

Mehr lesen

Teaserbild

Mit der zunehmenden Digitalisierung verändert sich unsere (Arbeits-)Welt. Doch ob Videokonferenzen, E-Mails oder andere digitale Nachrichten, auch dabei sollten ein paar Regeln eingehalten werden. Höflichkeit zum Beispiel bleibt gefragt.   Auch in der täglichen Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel zeigen sich heute gute Umgangsformen. Die einen lassen sich…

Mehr lesen